Gelebtes Brauchtum

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Johannifloß-Prozession in Wolfratshausen

Einen „weltweit“ einmaligen Brauch feiert die Stadt Wolfratshausen gemeinsam mit den Kirchen und den ortsansässigen Flößereibetrieben ab Einbruch der Dunkelheit: Eine Floßprozession auf der Loisach!

Die Floßprozessionen wurden bis 1910 in Wolfratshausen regelmäßig durchgeführt. Die Chronik von Wolfratshausen beschreibt die Johannifloß-Prozession 1910 folgendermaßen:

„Ihm (des Hl. Johannes Nepomuk) zu Ehren wurde am Vorabend des 16. Mai das Johannifloß festlich geschmückt und bei der oberen Floßlände unterhalb vom Bruckmaier ins Wasser gelassen. An der oberen Loisachbrücke, wo sich zuerst beim Brückenwirt, dann beim Kopfsgutterhaus eine 1909 von der Stadt München gestiftete Johannisstatue befand – sie wurde erst 1984 nach dem Brückenneubau wieder dort aufgestellt -, standen dichtgedrängt die Zuschauer und warten auf das erste Zeichen. Endlich hörte man den Knall von Schüssen und sah von weitem das erste Floß herankommen, auf welchem die Musikkapelle saß. Eine Rakete stieg zum Himmel, und man sah auch die Lichter des zweiten Floßes mit der Statue des Hl. Johannes langsam näher kommen. Es war mit Bäumchen und Blumengirlanden geschmückt. Zahlreiche Lichter erstrahlten in feierlichem Glanz, der sich im Wasser widerspiegelte. An den Brückenpfeilern hingen Lampions, um die Durchfahrt zu beleuchten. Bei der Hauptfloßlände blieb dann das Floß stehen, und der Pfarrer kam an das Ufer und segnete das Floß. Ein buntes Raketenfeuer erleuchtete das ganze Loisachwehr“.
1994 wurde die Johannifloß-Prozession von Bürgermeister Finsterwalder wieder eingeführt. Anlass hierfür war der Neubau des so genannten „Kastenmühlwehres“ mit Floßgasse.

Auf Grund der 50 Jahr Feierlichkeiten wurde diese schöne Veranstaltung, die eigentlich alle drei Jahre stattfindet, 2011 um ein Jahr vorgezogen. Sie ist fester Bestandteil des traditionellen Wolfratshauser Brauchtums und durfte daher bei den Feiern zum 50. Geburtstag der Stadt Wolfratshausen nicht fehlen.

Der Ablauf der Floßprozession hält sich jedes Jahr an die alten Vorgaben:
Um ca. 20.30 Uhr ziehen die Wolfratshauser Traditionsvereine in einem Festzug zur Alten Floßlände. Dort erwarten die Pfarrer zum kirchlichen Segen, die festlich geschmückten Flöße mit den Flößern der Wolfratshauser Flößereibetriebe und die Ehrengäste. Darunter der 1. Bürgermeister mit Ehrengästen der Stadt Wolfratshausen, die Stadträte und die Vertreter der Kirchen. Die Alte Floßlände wird mit Fackeln und vielen Lichtern festlich beleuchtet.

Nach Abfahrt der Flöße an der Alten Floßlände setzen Wolfratshauser Kinder kleine Lichterflöße auf die Loisach. Flößer und Lichterflöße werden dann, auf dem festlich beleuchteten Fußgängersteg, von der so genannten „Nepomuksmusik“ empfangen. Inzwischen funkelt und glitzert die Loisach zwischen Johannisbrücke und Kastenmühlwehr im Licht tausender von Fackeln und Lichtern. Ein Feuerwerk über den Dächern der Altstadt beschließt das romantische Szenario.

Die Kinder sind herzlich eingeladen am Abend ihre selbstgebastelten Lichterflöße ins Wasser zu setzen.

 

 

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER)